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Interview mit Diana Aleksic

Diana Aleksic u. Anne Köster
Datum: 09. April 2014
DGS: Liebe Diana, das Thema Inklusion ist heutzutage in aller Munde und du hast den Auftrag übernommen, den DGS als Inklusionsbeauftragte bei diesem Thema zu vertreten. Du hast bereits unterschiedliche Veranstaltungen dazu besucht. Kannst du uns kurz einen Überblick darüber geben, wo du den DGS bereits vertreten hast?

Diana Aleksic
Diana Aleksic: Bisher habe ich fünf Termine im Auftrag des DGS wahrgenommen. Im vergangenen Juni war ich beim Fachausschuss „Bewegung, Sport und Freizeit“ der DVfR, Thema war das Diskussionspapier „Bewegung, Spiel und Sport für Menschen mit Behinderungen im Kontext von BRK und Inklusionsdebatte“. Im darauf folgenden September habe ich an der Fachtagung „Gelungene Wege zum inklusiven Sport von Menschen mit Behinderungen“ in Düsseldorf teilgenommen ebenso wie beim DBS Projekt „Index für Inklusion im und durch Sport“. Als Vertreterin des DGS bin ich Mitglied in der Arbeitsgruppe „Inklusion im Sport“ des DOSB.
DGS: Wie bist du in die Kommunikation der DOSB-Arbeitsgruppe „Inklusion im Sport“ eingebunden?
Diana Aleksic: Bei der DOSB-Arbeitsgruppe waren zwei Gebärdensprachdolmetscher mit dabei. Außerhalb der DOSB-Arbeitsgruppen werde ich bei Gruppengesprächen grundsätzlich mit Gebärdensprachdolmetschern unterstützt. Oder aber einer der Gesprächspartner kann gebärden...
Zur Not kommunizieren wir auf dem Papier oder mit Händen und Füßen …
DGS: Was werden deine wichtigsten Aufgaben sein?
Diana Aleksic: Meine Aufgabe ist „unsere“ jetzige Situation zum Thema „Inklusion im Sport“ zu analysieren und „unsere“ Erwartung in 4 bis 8 Jahren beim DOSB mit einzubringen. Das heißt, welche Stärke und Schwächen, Chancen und Risiken sehe ich für den DGS beim Thema „Inklusion“? Welches Zukunftsbild stellen wir uns vor? Das gilt von höchster Ebene „DGS als Dachverband in Deutschland“ bis zur niedrigsten Ebene, dem „Gehörlosen-Sportverein“. Für mich ist es wichtig, dass der Gehörlosensport mitwirkt und nicht übersehen wird und wir mitbestimmen können.
DGS: Wie kann aus deiner Sicht Inklusion im Gehörlosensport umgesetzt werden?
Diana Aleksic: Grundsätzlich leben wir sie jahrelang schon vor; wir haben hörende Trainer, die Gehörlosen trainieren in hörendem Vereine, das hat sich bis heute nicht verändert. Umgekehrt haben wir auch Hörende, die in gehörlosen Vereinen trainieren und für den Gehörlosen-Verein in einem hörenden Wettkampf starten können.
Wir haben ein paar Maßnahmen umgesetzt wie z. B. „Fit im Sport“ - Ernährung für gehörlose Sportler und für Menschen mit und ohne Behinderung, Projekt im Rahmen des DOSB-Innovationsfonds 2012 in Praxis.
Meine Vorstellung ist es außerdem, dass Übungsleiter- bzw. Trainerausbildungen gemeinsam mit den Hörendende stattfinden können, wenn sichergestellt ist, wer Kostenträger für die in diesem Zusammenhang unverzichtbaren Dolmetschereinsätze bzw. Kommunikationsassistenz ist.
Es muss an allen Schulen, auch an Regelschulen intensive Aufklärungsarbeit zum Thema Gehörlosigkeit stattfinden, vor allem wenn jetzt auch die Bildungseinrichtungen verstärkt inklusiv arbeiten müssen. Was uns fehlt ist mehr Öffentlichkeit und mehr Akzeptanz, aber das Wichtigste ist, dass wir uns selber öffnen und Mut zur Veränderung haben.
DGS: Den Inklusionsgedanken umzusetzen wird nicht einfach werden, das wissen wir alle. Es betrifft nicht nur den Sport, es muss im Bildungssystem und Schulwesen seine Umsetzung finden, das hängt ja alles zusammen. Hast du vor, dir dazu ein Team zusammen zu suchen so etwas wie einen „Inklusionsrat“ des DGS? Einfach um möglichst viel Unterstützung zu haben und auch von den Ideen anderer zu profitieren?
Diana Aleksic: Es ist wirklich ein sehr umfassendes, schwer zu greifendes Thema, aber eines wird auf jeden Fall deutlich: Inklusion ist keine Einbahnstraße und bedeutet nicht alleine die Finanzierung von Dolmetschern und dann ist alles gut. Sie bedeutet, dass beide Partner, in unserem Fall Hörende und Gehörlose, gegenseitig aufeinander zu gehen.
Einfach ist es nicht. Viele können das Wort „Inklusion“ nicht mehr „hören“. Viele sind unsicher und wissen nicht genau, was ist das überhaupt, was muss ich beachten bzw. wie kann ich beitragen, was kann ich erwarten. Oder an wen kann ich mich bei speziellen Fragen wenden?
Deswegen halte ich es für sinnvoll, wenn wir ein Netzwerk bilden, um uns gegenseitig zu unterstützen bzw. auszutauschen. Beim Landtag NRW sind bereits Gehörlose als Mitglieder in diversen Fachausschüssen zu finden wie z. B. Schulbildung, Gesundheit, Arbeitsbereich etc.
Ob wir einen Inklusionsrat im DGS bilden können, werden wir in Kürze sehen.
DGS: Vielen Dank für deine kurze Stellungnahme. Wir wünsche dir bei dieser nicht sehr leichten Aufgabe viel Erfolg und Unterstützung besonders aus den eigenen Reihen.

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