Radsport-EM in Verona/Italien
Gottfried Paulus, Technischer Delegierter der EDSO
Datum: 05. Juni 2008
Radsport-Europameisterschaften der Gehörlosen ohne DGS-Fahrer
Die Eröffnung der 6.Radsport-Europameisterschaft und der 1.MTB-Europameisterschaft fand am 26.Mai 2008 auf der Piazza Bra vor dem Rathaus und der Arena in Verona statt. Im Beisein des Oberbürgermeisters der Stadt Verona Herrn Flavio Tosi und zahlreicher Honoratioren begrüßten Guido Zanecchia Präsident des FSSI und Daniela Mazzocca Präsidentin des Organisations-Komitees die Teilnehmer und Gäste. Nach dem Aufmarsch der teilnehmenden Nationen und den Grußworten einiger Ehrengäste eröffnete Vasyl Sandugei, Vizepräsident der EDSO diese Europameisterschaften und die EDSO Flagge wurde von ehem. italienischen Medaillengewinnern im Radsport gehisst. Technischer Delegierter der Europameisterschaft war Gottfried Paulus, ehemaliger DGS-Verbandsfachwart, den der DGS der EDSO gern zur Verfügung stellte und der damit einziger deutscher Teilnehmer der EM war.
1. Tag MTB Relay
Als 1.Wettbewerb dieser Europameisterschaft stand das MTB-Staffelrennen auf einem 5 km Rundkurs auf dem Programm. Es waren 6 Teams zu je 3 Fahrern am Start. Jeder Fahrer musste 2 Runden fahren. Dieser Wettbewerb war gut organisiert und vorbereitet, wenngleich die Strecke nicht ganz abgesperrt war. Das Team Italien A gewann überlegen vor Frankreich und Tschechien.
2. Tag – Sprint und Kriterium
Am 2.Tag standen 2 Wettbewerbe auf dem Programm. Der Sprint und das Kriterium. Sie wurden erstmals auf einer Radrennbahn durchgeführt Die Sportler kamen auf der Radrennbahn gut zurecht und es gab keine Probleme. Die Ansetzung dieser beiden Wettbewerbe an einem Tag war nicht im Sinne des EDSO-TD und wurde für die Sportler zu einer harten Belastung.
Am Sprint-Wettbewerb nahmen 18 Fahrer teil. In einer Zeitqualifikation wurden die 16 Teilnehmer ermittelt, welche dann im Ko-System gegeneinander kämpften. Bis zum Semifinal wurden die Läufe in einem Lauf entschieden. Ab dem Semifinal in 2 oder 3 Läufen. Für das Semifinale qualifizierten sich Steeve Touboul und Jimmy Tomasina (beide France) sowie Luca Buontempo und Daniele Alberti (beide Italien). Im ersten Semifinal bezwang Luca Buonteempo Jimmy Tomasina nach 3 hart umkämpften Läufen. Im 2.Semifinal stand Steeve Touboul vorzeitig als Sieger fest, nachdem Daniele Albertie wegen Beinkrämpfen passen musste.
Im Finale bezwang Steeve Touboul Luuca Buontempo in 2 Läufen und sicherte sich den Sprinttitel.
Platz 3 ging kampflos an Jimmy Tomasina, nachdem Daniele Alberti wegen Beinkrämpfen nicht antreten konnte. Den Lauf um Platz 5-8 gewann Julius Matovcik (Slovakei) vor Marco Collina (Italien) und Evgeny Prokhorov (Russland)
Nach 3-stündiger Pause fand dann das Kriterium statt. Wegen der großen Hitze wurde die Distanz um 10 km verkürzt, so dass 40 km gefahren wurden, wobei in jeder 10.Runde Wertungspunkte vergeben wurden. Überlegener Sieger wurde Steeve Touboul (France) mit 1 Runde Vorsprung vor Jan Capek (Tschechien) und Dimitry Kalinkin (Russland). Bedingt durch die Anstrengungen im vorhergehenden Sprintwettbewerb beendeten nur 9 Fahrer diesen Wettbewerb.
3. Tag MTB Rennen
Dieser Wettbewerb wurde auf dem gleichen Kurs wie das Staffelrennen durchgeführt und nahm einen guten Verlauf. 6 Runden mussten gefahren werden bevor nach 30 km der erste MTB Europameister gekürt werden konnte. Es wurde zu einem spannenden Rennen mit geringen Zeitabständen. Gianfranco Monaco siegte mit 1 Minute Vorsprung vor Tommy Hammarstrom (Schweden) und David Cloux (France) welcher weitere 40 Sekunden später das Ziel passierte.
4. Tag-Einzelzeitfahren
Auf einem idealen 4,35 km Streckenabschnitt der Uferstrasse des Flusses Adige fand das Einzelzeitfahren statt. Der Tellerflache Kurs versprach schnelle Zeiten. 22 Fahrer starteten in Minutenabständen David Cloux (France) bewältigte den 4mal zu fahrenden Kurs (35 km) in 49.00,96 Minuten am schnellsten und sicherte sich dem Europameistertitel in dieser Disziplin. Knapp 7 Sekunden zurück holte sich Kirill Pestov (Russland) Silber vor Luigi Cucco (Italien). Überraschend stark präsentierte sich das Team Russlands, welche mit Dimitry Kalinkin und Evgeny Prokhorov die Plätze 4 und 5 belegten.
5. Tag Freier Tag u. Meeting
Hier hatten die Teilnehmer Gelegenheit eine Visite der Stadt Verona zu machen, bevor am späten Nachmittag das 2.Meeting stattfand, wo auch EDSO-Praesidentin Isabelle Malaurie teilnahm.
Hier wurden die durchgeführten Wettbewerbe besprochen und über das Straßenrennen am nächsten Tag informiert. Alle Delegierten waren mit der Organisation überaus zufrieden, von kleinen Schönheitsfehlern mal abgesehen und applaudierten dem Organisationsteam um Daniela Mazzocco und Praesident Guido Zanecchia.
Es wurde festgelegt, dass die Radsport und Mountain-Bike Europameisterschaften künftig getrennt durchgeführt werden. Zum neuen TO für Mountainbike wurde Claudio Geronazzo (Italien) gewählt. Zum TO für Radsport wurde Gottfried Pauluus (Deutschland) wieder gewählt. Die nächsten MTB-Europameisterschaften werden voraussichtlich im Jahr 2010 in Spanien stattfinden. Für die Radsport-Wettbewerbe muss noch ein ausrichtendes Land gefunden werden.
6. Abschluss Strassenrennen
Den krönenden Abschluss dieser hervorragend organisierten Radsport-Europameisterschaften bildete das 100 km Straßenrennen, welches auf der Piazza Bra vor dem Rathaus in Verona gestartet wurde. Professional geleitet und gesichert kämpften die 22 Teilnehmer um den letzten zu vergebenden Titel. Nach der neutralisierten Fahrt zum Rundkurs erfolgte pünktlich um 9 Uhr der Start auf dem 10 mal zu fahrendem Rundkurs welcher auf den letzten 3 Runden einen 1,5 km schweren Anstieg (15 %) beinhaltete. Eine Vorentscheidung fiel bereits in der ersten Runde als sich kurz vor Beginn der 2.Runde eine 6-koepfige Gruppe mit Luigi Cucco, Luca Buontempo (beide Italien), Steeve Toubouul, Remi Girardet (beide Frankreich) sowie Ivan Makarov (Russland) und Francisek Kocourek (Tschech.Re.) auf die Flucht machte. Mit scharfem Tempo bauten sie schnell einen 4-Minütigen Vorsprung auf, welcher vom kompakten Verfolgerfeld nicht mehr wett gemacht werden konnte, zumal die starken Teams alle einen Fahrer in der Spitzengruppe hatten und sich somit blockierten. Die Entscheidung fiel auf dem letzten 15-prozentigem Anstieg. Luigi Cucco setzte eine Attacke und konnte sich absetzen und erreichte das Ziel in Torricelle mit 15 Sekunden Vorsprung und sicherte sich den Europameistertitel. Auf dem 3 km Schlussanstieg zersplitterte die 5-koepfige Verfolgergruppe. Platz 2 sicherte sich Steeve Touboul (Frankreich) vor Ivann Makarov (Russland) und Luca Buontempo (Italien). Den Spurt des Feldes gewann Tommy Hammarstrom (Schweden).
Den Schlusspunkt setzte die Schlusszeremonie mit der Einholung der EDSO Flagge und dem Abschlussbankett.
Nachwort:
Erstmals in der Geschichte dieser Radsport-Europameisterschaften waren keine deutschen gehörlosen Radsportler mit von der Partie. Es ist nicht so, dass es in Deutschland keine gehörlosen Radsportler gibt, sondern das Problem liegt hier in der Konkurrenzfähigkeit. Um mithalten zu können müssten die deutschen gehörlosen Radsportler an den Wettbewerben der Hörenden teilnehmen, was bisher zu wenig gemacht wurde. Das hohe Leistungsvermögen der Teilnehmer dieser EM spiegelte sich z.B. im Straßenrennen wieder wo z.B. ein Durchschnitt von 40,755 km/std. über die 100 km Distanz gefahren wurde und im Sprint wo über 200 Meter durchschnittlich knapp 13 Sekunden erreicht wurden. Aber im DGS erwächst eine neue Generation mit dem 17-jährigen Peter Craxton an der Spitze, welche dann in der übernächsten EM wieder mitmischen könnte. Zu wünschen wäre es dem DGS und den deutschen gehörlosen Radsportlern von Herzen.
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