9. Leichtathletik Europameisterschaften der Gehörlosen
Text: DGS Leichtathletik/Anne Köster, Fotos Anton Schneid
Datum: 27. Juli 2015
Die beiden letzten Wettkampftage
Am 24. Juli ging als erstes Felicitas Merker im Kugelstoßen in den Ring. Nicht nur die ungewohnt stumpfe Oberfläche, auch die nach dem kräftezehrenden Siebenkampf nachlassende Konzentration führten dazu, dass sie ihre Beine nicht schnell genug zum Einsatz bringen konnte. Das wiederum brachte sie in einem Gesamteilnehmerfeld von 11 Werferinnen um den Einzug ins Finale. Angesichts der erstklassigen Leistung der Konkurrenz, vor allem der beiden Favoritinnen, Nataliia Ursulenk aus der Ukraine und Ivana Kristoficova aus der Slowakei, die mehrmals die Führung mit Weiten über die 14m Marke wechselten, wäre hier für Merker mit 10,07m kaum mehr als der 7. Platz drin gewesen. Ursulenk legte letztendlich mit 14,56m vor und verwies Kristoficova, die eine Weite von 14,35m erreichte, auf Platz 2. Lenka Matouskova aus der Tschechischen Republik lag mit 12,30m auf Rang 3.
Das Leichtathletik-Team des DGS
Gleichzeitig hatte Alexander Bley sein Finale über 800m zu bestreiten. Im Halbfinale hatte er sich in einem taktisch klugen Lauf immer auf Position 2 und 3 gehalten. Im Endspurt behielt er die Gegner im Blick und sicherte sich mit einem kontrollierten dritten Platz den Einzug ins Finale. Im Finale selber sorgten, wie erwartet, die drei russischen Läufer vom Start an für ein sehr hohes Tempo, das Bley etwa auf Position 4 mitlief, um sich die Chance auf eine Medaille zu erhalten. Die ersten 400m wurden in ca. 54 Sekunden durchlaufen, so schnell, wie Bley die erste Runde über 800m noch nie angegangen war.
Bley kämpfte von 400m bis 600m um eine gute Ausgangsposition für den Schlussspurt. In der letzten Kurve musste er aber dem unglaublich hohen Anfangstempo Tribut zollen und sich mit dem sechsten Platz begnügen. Die Überraschung war der Weißrusse Aliaksandr Charniak, der die gesamte Konkurrenz düpierte und auf der Außenbahn mit 1:52,58min eine Zehntelsekunde vor dem Spanier Jaime Martinez Morga über die Ziellinie lief. Bronze für 1:52,89min ging an den Russen Andrei Andreev. Bley hatte nach längeren gesundheitlichen Problemen im Januar mit einem behutsamen Trainingsaufbau begonnen und war über 800m Deutschen Rekord gelaufen. Um gegen die internationale Konkurrenz in Zukunft bestehen zu können, wird es notwendig sein, neben dem Trainingsumfang auch die Intensität zu erhöhen. Es fehlt ihm nicht an einer guten Lauftaktik, allein die körperliche Leistungsfähigkeit reichte noch nicht wieder aus.
Bevor die Staffeln begannen, stellten sich Georgina Schneid und Nadine Brutscher noch einmal in Einzeldisziplinen der Konkurrenz.
Schneid trat gegen 10 Mitstreiterinnen im Speerwurf an, darunter Gigantinnen wie Elena Uzunova aus Bulgarien und Kairit Olenko aus Estland. Trotz guter Form blieb die deutsche Werferin mit einer Weite von 34,54m in diesem Wettkampf hinter den Leistungen der Konkurrenz zurück, die war schlicht zu stark. Sie belegte den 5. Platz. Uzunova knackte mit 47,23m den von Olenko 2008 aufgestellten Welt- und Europarekord von 45,85m. Olenko holte Silber, Dritte im Bunde der Medaillenträgerinnen war die Kroatin Laura Stefanac mit 41,45m.
Auch Brutscher blieb im Hochsprung glücklos. Um unter den guten Platzierungen ein Wörtchen mitreden zu können, hätte sie zumindest eine Höhe von 1,60m erreichen müssen wie fünf der insgesamt acht Springerinnen. Mit 1,50m blieb ihr Platz 6. Die Russin Anastasia Klechkina, die schon im Siebenkampf eine Höhe von 1,68m vorlegt hatte, erhöhte auf 1,70m und holte sich den Titel von ihrer Landsmännin Valeria Borovskaya, die mit 1,68 folgte. Dahinter holte Marja-Liisa Landar mit 1,63m Bronze.
Nachmittags waren die Frauen zuerst über 4x100m in den Startblöcken, Urbanski hatte wieder einen ausgezeichneten Start und übergab den Stab mit Vorsprung als erste Läuferin sauber an Merker. Das deutsche Team lag in Führung. Der 2. Wechsel an Brutscher erfolgte rechtzeitig kurz vor Ende des Wechselraums. In der zweiten Kurve hatten Russland, Weißrussland und die Ukraine bereits gefährlich aufgeholt. Durch die hohe Anspannung startete Schneid als Schlusskäuferin sehr explosiv und etwas zu früh, so dass sie eine Vollbremsung machen musste, um nicht disqualifiziert zu werden. Damit gingen wertvolle Meter bzw. Zeit verloren. Deutschland landete mit 50,37sec auf Platz 4. Die russische Staffel knackte mit 47,21sec einen weiteren Weltrekord, der vierte der bei dieser EM auf das russische Konto ging.
Für die Männerstaffel über 4x400m waren Rumancev und Martyn eigens nachgereist. Nach den starken Einzelleistungen der Konkurrenz, insbesondere der Ukrainer und Russen über 200m und 400m, hatte die deutsche Mannschaft nur eine Außenseiterchance. Die aber wollten die deutschen Männer nutzen. Rumancev startete sehr gut, teilte sich seine Kraft gut ein und übergab als vierter Läufer. Helmis konnte diese Position lange halten und wurde erst nach 350m noch vom Weißrussen Charniak überholt, Martyn brachte dann Deutschland wieder auf die vierte Position, die Bley als Schlussläufer, trotz sehr guter Leistung im Finish nicht halten konnte. Jeder wuchs über sich hinaus, so dass ein Schnitt von ca. 51 Sekunden und eine Gesamtzeit von 3:26,07min gelaufen wurden und sich die Männerstaffel im Vergleich zur letzten EM um knapp 4 Sekunden verbesserte. Diesmal ging Gold an die Ukraine, gefolgt von Russland und der Türkei.
Damit endete die Europameisterschaft mit einer Silbermedaille für Deutschland, für Felicitas Merker im Siebenkampf. Wie schon im Zwischenfazit erwähnt, erweist sich Russland als ein unschlagbarer Gigant in nahezu allen Disziplinen, lediglich bei den Frauenwettkämpfen waren sie manchmal nicht auf dem Podest vertreten. Für den Erfolg sind nicht nur die Ausnahmesportler und -sportlerinnen und die hohe Leistung sondern auch die Masse entscheidend. In vielen Wettkämpfen waren sie mehrfach vertreten, in einigen wenigen stellten sie sogar mehr als die Hälfte der Wettkämpfer oder Wettkämpferinnen. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass sie mit besten Leistungen aufwarten, mehr als ein Drittel der zu erringenden Medaillen gingen an sie. Auch die Ukraine und Weißrussland behaupten sich sehr überzeugend an der Spitze, zwar mit weniger personellem Einsatz, aber mit sehr guten Ergebnissen. Deutschlands Leichtathletik Elite muss hart anziehen, um in diesem leistungsstarken Teilnehmerfeld wieder verstärkt an die Spitze anknüpfen zu können.
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