3. Gehörlosen Futsal Weltmeisterschaft
Text: Reinhard Brandt, Fotos DGS Bonchuk Andonov
Datum: 17. November 2015
Weltmeisterin in Bangkok?
Das an internationalen Meisterschaften reiche Gehörlosensportjahr 2015 erlebt kurz vor seinem Ende einen weiteren Höhepunkt: In Bangkok/Thailand findet vom 20. bis 28. November die dritte Futsal-Weltmeisterschaft statt und der Deutsche Gehörlosen-Sportverband schickt mit seiner Frauennationalmannschaft einen aussichtsreichen Mitfavoriten ins Rennen. Die Teilnahme stand trotz großer Erfolge in der Vergangenheit lange Zeit „auf der Kippe“, da der DGS als Mehrspartenverband nicht immer in der Lage ist, die finanziellen Mittel für das Entsenden aller seiner Mannschaften aufzubringen, insbesondere dann nicht, wenn es sich um Veranstaltungen in Übersee handelt. Durch einen groß angelegten Spendenaufruf, bei dem sich besonders der unermüdliche, stets ideenreiche Mannschaftsleiter Marco Bader hervortat, konnte letzten Endes die Teilnahme gesichert werden. Es kann losgehen!
Das deutsche Futsal-Team
Was kann man von der deutschen Frauennationalmannschaft erwarten, wer gehört zum engeren Favoritenkreis? Seit Einführung des Futsals der Frauen auf der internationalen Ebene des Gehörlosensports im Jahr 2002 hat es vier Europa- und zwei Weltmeisterschaften gegeben, aber nur zwei Titelträger! Russland (Weltmeister 2011, Europameister 2006, 2010 u. 2014) und Deutschland (Weltmeister 2007 und Europameister 2002) haben bisher die Titelvergabe stets unter sich ausgemacht und sind auch in Bangkok die absoluten Topfavoriten. Erst bei der EM in Sofia/BUL im vergangenen Jahr trafen die beiden Erzrivalen im Endspiel aufeinander, als die deutschen Frauen sich bei einer 1:0-Führung für 4 Minuten als Europameisterinnen fühlen durften, sich aber in der Verlängerung doch den Russinnen mit 1:3 geschlagen geben mussten.
Insgesamt treten in Bangkok 14 Frauennationalmannschaften an, die zunächst in vier Gruppen um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen und von da an im K.o.-System den Turniersieger ermitteln. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen in erster Linie England, Dänemark und Spanien. Wie stark die englische Mannschaft ist, haben die deutschen Frauen noch in guter Erinnerung. Im Halbfinale der EM 2014 lagen sie zur Halbzeit gegen England bereits mit 0:4 zurück, bevor man mit einer beispielhaften Energieleistung doch noch den Spieß umdrehte und mit 7:6 ins Finale gegen Russland einzog. Spanien als EM-Vierter 2014 und Dänemark, Vizeweltmeister 2011 und Vizeeuropameister 2010, sind auf jeden Fall für eine Platzierung auf den Medaillenrängen gut.
Wünschen wir dem Team, mit Medaillen nach Hause zu kommen
Die deutsche Mannschaft hat bis jetzt bei allen sechs internationalen Meisterschaften jeweils eine Medaille geholt und strebt natürlich an, diese Serie in Bangkok fortzusetzen, am liebsten mit dem Weltmeistertitel. Das Team hat sich gewissenhaft vorbereitet und ist ziemlich gut eingespielt, tritt man doch im Vergleich zur EM 2014 nahezu mit dem gleichen Kader an. Ein schwerer Verlust ist sicher der Rücktritt von „Tormaschine“ Steffi Ziegler, aber Neuling Claire Alfes hat bei den Lehrgängen überzeugt und sich die Nominierung redlich verdient. Frau der ersten Stunde ist die 34-jährige Fatma Alkan, die nach der WM ihre Karriere beenden wird. Es wäre schön, wenn ihr das mit dem zweiten WM-Titel nach 2007 gelänge.
Die Auslosung hat es relativ gut mit den deutschen Frauen gemeint. Ein Vorteil ist sicher, dass man einer Dreiergruppe zugelost worden ist. Gegner in der Gruppenphase sind Norwegen und Brasilien. Trotz des im Fußball klangvollen Namens, müssen die Brasilianerinnen aufgrund bisheriger Leistungen eher als Außenseiter bezeichnet werden. Schon bei der WM 2011 trafen Deutschland und Brasilien aufeinander, wobei die deutschen Frauen mit einem deutlichen 7:1-Sieg die Oberhand behielten. Gefährlicher scheinen da schon die Norwegerinnen zu sein, 2007 WM-Vierter und 2011 Viertelfinalist.
Sollten sowohl Russland als auch Deutschland in ihrer Gruppe jeweils als Erster ins Viertelfinale einziehen, können sie gemäß Spielplan erst im Endspiel aufeinander treffen. Das Traumfinale ist also möglich. Am 20. November geht es los!
Gruppe A: Thailand, Italien, Schweden, China
Gruppe B: Russland, Spanien, Japan
Gruppe C: Deutschland, Norwegen, Brasilien
Gruppe D: England, Ungarn, Dänemark, Iran
Die Gruppenspiele der Deutschen:
20. November, 11:00 Uhr Deutschland – Brasilien
21. November, 14:00 Uhr Deutschland – Norwegen
Der deutsche Kader:
Fatma Alkan (GSV Aachen), Luise Broedner (Dresdner GSV), Melissa Gracic (GTSV Essen), Susana Lopez-Sanchez (GSV Aachen), Laura Möller (Kölner GSV), Julia Öfele (GSV Augsburg), Claire Alfes (GTSV Essen), Nina Schlindwein (GSV Freiburg), Anja Schorer (GSV Augsburg), Jana Rerich (GTSV Essen)
Andreas Mühlbauer-Füll (Delegationsleiter), Marco Bader (Mannschaftsleiter), Andrea Girruleit (Trainerin), Natascha Laier (Trainerin), Sebastian Brand (med. Betreuung)
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