Ausgebremst?
Text: Anne Köster, Fotos: DGSV & Thomas Göpfert
Datum: 11. Mai 2021
Sport in Zeiten von Corona
Am 13. März im vergangenen Jahr ändert sich für alle Sportreibenden das Leben. Kein Training, kein Wettkampf, dann abgebrochene Ligen – von einem Tag auf den anderen ein gefühlter Stillstand. Pläne werden verschoben, alle warten auf einen neuen Startschuss, Ziele müssen neu definiert werden, über Monate hinweg, ohne klare Perspektive.
Team Beachvolleyball
Diese fehlende Perspektive war für die meisten schlecht zu ertragen, immer wieder die Hoffnung, es geht weiter, wieder ein bisschen Sport und dann doch nicht … Was durchweg allen fehlt, ist der Wettkampf, das Kräftemessen, die Herausforderung, alles belastet durch die ungewohnte soziale Distanz, die einem das Virus aufgezwungen hat.
Jetzt sinken die Inzidenzen, die Impfungen nehmen Fahrt auf und unsere Aktiven scharren mit den Füßen, dass es endlich wieder losgehen kann. Dabei lohnt sich ein Blick zurück auf die vergangenen vierzehn Monate, in denen sie nach Wegen gesucht haben, aus der Flaute das beste zu machen, fit zu bleiben, sich selbst zu motivieren. Manche hat es härter getroffen als andere, die Individualist*innen hatten es etwas leichter als die Mannschaftsportler*innen.
Alex Bley, Leichtathlet: „Ich habe mir die Rahmenbedingungen neben dem Kaderstatus geschaffen, dass ich gut und fast ohne Einschränkungen trainieren kann. Wenn man bei den Deaflympics oder auch den diesjährigen Weltmeisterschaften Erfolge feiern will, muss man selbst aktiv werden und sich um die Optimierung der Rahmenbedingungen kümmern. Dazu habe ich den Verein gewechselt im Hörenden, wie im Gehörlosen Bereich und habe dadurch super Bedingungen bei allem. Durch den neuen Trainer und Hörenden Verein bin ich zudem in einem Netzwerk integriert, dass ich schon einen Wettkampf bestreiten konnte. Ansonsten werden Testwettkämpfe intern durchgeführt.“
Besprechungen beim Leichtathletik-Training
Fabian Kuppe, Fußballer: „Ich habe einen privaten Athletikcoach, der mit mir wöchentlich Übungen macht, um mich fit zu halten und körperlich zu steigern. … Das bedeutet, dass ich mich körperlich weiterentwickeln konnte aber nicht fußballerisch. … Als junger Sportler möchte man immer weiter nach oben, doch so wurde es mir verwehrt, mich über ein Jahr 100%ig weiterzuentwickeln. … Die Konkurrenzfähigkeit geht verloren und der Abstand zu höheren Ligen, die in Zeiten von Corona normal weiter trainieren durften, vergrößert sich immens.“
Robin Plank, Fußballer: „Wir haben versucht, viele verschiedene Möglichkeiten umzusetzen, Training in Zweiergruppen, Online (Zoom) Training, oder Selbsttraining mit entsprechenden Nachweisen. Grundsätzlich ist aber immer eine große Portion Eigenmotivation notwendig, um das über mehrere Monate durchzuhalten. Wir werden dennoch viel Nachholbedarf haben.“
Urs Breitenberger, Tennisspieler: „Ich konnte sehr gut durchtrainieren, da ich von der Stadt Hamburg eine Ausnahmegenehmigung hatte. … Es war aber in jedem Fall eine neue Erfahrung, und ein großer Schritt in die Digitalisierung, mit viel Training über Zoom.“
Ein entscheidender Faktor im Sport ist neben dem Streben nach Leistung der gesellschaftliche Aspekt, die wohltuende Anerkennung durch Teamkolleg*innen und Trainerstab. Austausch und schlichtes Beisammensein sind entscheidende Bausteine in einer sportlichen Laufbahn, egal ob im Individual- oder im Mannschaftssport – das Gefühl „Gemeinsam“ wurde mehr und mehr zu „Einsam“.
Kugelstoßen
Colin Müller, Sportschütze: „Ich trainiere wieder auf der Schießanlage, jedoch alleine und nicht so häufig wie zu normalen Zeiten. Ohne Trainer oder andere Sportler macht es nicht so viel Spaß und es gibt keinen, der einen auf Fehler im Ablauf oder ähnliches hinweist. … Bei mir hat sich, je länger die Einschränkungen gedauert haben, nach und nach Demotivation und Ziellosigkeit eingeschlichen. Das hat es nicht nur mir oft schwer gemacht. Immer wieder gab und gibt es Verschiebungen oder Absagen von Wettkämpfen, damit muss man zurechtkommen, es ist auf Dauer nur schwer zu akzeptieren. … ABER: Im Juni findet das erste Trainingslager seit Corona in Wiesbaden statt. Darauf freue ich mich schon sehr!“
Daniel Kinnback, Handballer: „Es hat sich viel durch Corona verändert, null gemeinsames Training, Spiele schon mal gar nicht und wenn sind keine Zuschauer mehr dabei, die die Stimmung heben und die Motivation hochhalten. … Das muss sich ändern. Sonst geht der Sport davon kaputt. … Ich persönlich hatte eigentlich andere Ziele, aber durch Corona sind meine Pläne über den Haufen geworfen worden … Jetzt erst Recht!. Ich werde alles für die Mannschaft geben, damit sie noch lange erhalten bleibt“.
Anfangs fühlte es sich vielleicht so an, als sei eine kleine Zwangspause gut. Sport und Beruf, Studium oder Ausbildung unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Mal kurz Luft holen, Ziele, Pläne und Perspektiven überdenken, das war nicht verkehrt. Was dann aber nicht wiederkam, war eine verlässliche Möglichkeit, sich neu und gegebenenfalls noch zielgerichteter aufzustellen.
Besprechungen beim Beachvolleyball
Trotzdem sind die DGSV Kaderathlet*innen am Ball geblieben, verbunden mit verstärkter Digitalisierung; Zoom Training, Fitness Training, mentales Training, alle Möglichkeiten wurden genutzt, um jederzeit körperlich und im Kopf fit wieder einsteigen zu können. Manchen ist es gelungen, sich Freiräume zu geschaffen und maximale Unterstützung zu bekommen, das war nicht allen möglich.
Und jetzt fühlt es sich so an, als würde es bald richtig weiter gehen. Der DGSV steigt wieder in den Trainingsbetrieb ein, Beachvolleyball und Leichtathletik hatten bereits erste Lehrgänge, Fußball, Sportschießen, Tennis und viele mehr folgen in Kürze, der Kalender des Verbandes ist voll. Und selbstverständlich steht dabei nach wie vor der Infektionsschutz ganz vorne auf dem Programm – ohne Test, kein Training.
Steven Nowark, Fußballer bringt es wohl für alle auf den Punkt: „Es hat sich nichts geändert. Die Lust ist immer da. Wie gesagt, ohne Sport funktioniert bei mir nichts. Es fühlt sich gut an, wenn ich Sport treibe, umso mehr freue ich mich wieder auf dem Platz zu sein!“
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