7. Fußball Europameisterschaft der Gehörlosen 2011
Text: Sabine Grajewski, Fotos: Peter Fiebiger
Datum: 11. Juli 2011
7. Fußball Europameisterschaft der Gehörlosen 2011
vom 27.Juni – 09. Juli 2011 in Odense/Dänemark
Die Fußball-Europameisterschaften im Rückblick
Mit dem dritten Platz und zwei Deutschen in der All-Star Elf fand die 7. Fußball-Europameisterschaft ein erfolgreiches Ende. Zwar hadert der Trainerstab immer noch mit dem unnötigen 1:0 Freistoßtor der Russen im Halbfinale, freut sich auf der anderen Seite über den souveränen 4:0 Sieg gegen Großbritannien im Spiel um Platz 3. Christian Bölker wurde zum besten Torhüter und Dennis Jukovskiy zu einem der besten Abwehrspieler der EM ins All-Starteam gewählt.
Seit Jahren ereichen die Fußballer bei internationalen Turnieren mindestens das Halbfinale und so war es auch bei der EM 2011. Typisch für eine deutsche Mannschaft fand sie nur langsam ins Turnier und startet mit einer vollkommen unnötigen Niederlage gegen Großbritannien. In diesem Spiel zeigte sich schon, dass die Abwehr sehr gut besetzt ist, im Sturm jedoch so Einiges fehlte. Die Briten siegten auch nur durch einen verwandelten Elfmeter. Der schwächste Gegner in der Gruppe der Deutschen, die Polen, wurde im zweiten Spiel 4:0 besiegt, mit einer nicht zufrieden stellenden Leistung. Wieder zeigten sich die Schwächen im Abschluss, viele Torchancen wurden nicht genutzt. Im letzten Gruppenspiel gegen die Niederlande zeigten sich erste Leistungssteigerungen einzelner Spieler und man ging mit breiter Brust ins Viertelfinale gegen die Türken.
Wieder war es die Viererkette, die den Gegner zur Verzweiflung brachte. So viel die Türken auch auf das deutsche Tor zuraunten, die Viererkette war einfach nicht zu überwinden und wenn doch, dann stand der beste Torhüter der EM, Christian Bölker zwischen den Pfosten. Verdient siegten die Deutschen mit 1:0.
Eine sehr gute Leistung der deutschen Mannschaft reichte im Halbfinale gegen die Russen nicht zum Einzug ins Finale. Trainer Zürn musste das Team wieder umstellen und setzte auf bewährte Kräfte. Nach acht Minuten schied dann der gemeinsam mit Jukovskiy beste deutsche Spieler, Edris Saighani, verletzt aus und nochmals wurde umgestellt. In der ersten Halbzeit fanden die Deutschen dadurch nie ins Spiel. Die zweite Halbzeit war auf beiden Seiten von enormem Tempo bestimmt, in den Zweikämpfen schenkten sich beide Teams nichts und hinderten sich am Torerfolg. Konsequenterweise ging es in die Verlängerung, die die Russen durch ein glückliches Freistoßtor für sich entscheiden konnten. Beflügelt durch den hart erkämpften Sieg über Deutschland, gewannen die Russen überraschend das Finale gegen den Favoriten Ukraine mit 3:0.
Das beste Spiel lieferten die Deutschen im immer undankbaren Match um den dritten Platz, gegen Großbritannien. Die Briten kamen nicht einmal zum Spielaufbau und fanden nicht das kleinste Mittel gegen diese starke deutsche Mannschaft. Der 4:0 Sieg hätte aber viel höher ausfallen müssen, doch auch hier zeigten sich wieder die Schwächen im Abschluss vor dem Tor, nicht nur bei den Stürmern. Im Hinblick auf die Verteidigung des WM-Titels 2012 in der Türkei, wartet hier noch viel Arbeit auf Trainer Zürn und von der Ruhren.
Die Deutschen haben mit dem dritten Platz auch die Qualifikation für die WM 2012 sowie für die Deaflympics 2013 geschafft.
Marc Christ war wie immer eine Bank in der Viererkette der Deutschen. Gute Leistungen im ganzen Turnier, egal ob an der Seite von Juskovskiy oder Kieffer. Leider bekam er direkt im ersten Spiel eine gelbe Karte und kam in den weiteren Gruppenspielen nicht zum Einsatz. Für ihn bekam Fillip Kieffer im zweiten Gruppenspiel seine Chance, die er überraschend gut nutzte, so dass er auch im Verlauf Turniers eingesetzt wurde und seine Leistung im Spiel gegen NED noch steigern konnte. Im Halbfinale und im Spiel um Platz drei wurde er jeweils böse gefoult und konnte verletzungsbedingt nicht durchspielen. Kieffer ist aber nicht nur auf dem Platz ein wichtiger Bestandteil des Teams, sondern auch außerhalb. Auf der linken Abwehrseite agierte Andreas Fischer, bis auf ein Spiel, wie immer mit einer guten Leistung, aber nicht ganz so souverän und fehlerlos wie in früheren Zeiten. Manchmal war er zu unkonzentriert im Spiel, aber gehört insgesamt zu den besten deutschten Spielern. Klaus Heckenberger auf der rechten Seite kam nur langsam in Fahrt. Zu Beginn war seine Leistung nicht zufrieden stellend, eine gute, dann wieder einer schlechten Halbzeit. Im Viertelfinale war er gesperrt, im Halbfinale und im Spiel um Platz 3 zeigte er dann eine mehr als gute Leistung, an der kaum noch was auszusetzen war. Besonders im Zweikampf war er immer sehr stark. Vervollständigt wurde die Abwehr vom besten Spieler im deutschen Team, der als einziger alle Spiele durchgespielt hat, Dennis Jukovskiy. Nicht nur in der Abwehr, auch wenn er im Mittelfeld eingesetzt wurde, zeigte er eine hervorragende Leistung. Kampf, Siegeswille und Herzblut, bis zur letzten Minute eines jeden Spiels. Verdient wurde er als einer der besten Abwehspieler der EM geehrt. Solide Leistungen zeigte auch Ergänzungsspieler Boris Bovermann, wenn er zum Einsatz kam.
So war es für den besten Torhüter der EM, Christian Bölker nicht ganz so schwer, seinen Kasten sauber zu halten. Gegen die Türkei und Großbritannien brillierte er dann mit Paraden, die das Publikum begeisterten. Im Viertelfinale hielt er in den letzten Minuten einen Elfmeter. Er war immer souverän und ruhig, manchmal vielleicht ein Tick zu ruhig, daran sollte er noch arbeiten. Zweiter Keeper Thomas Hafner kam nur zu einem Einsatz, bei dem er fehlerlos blieb.
Im Mittelfeld war Edris Saighani in den ersten Spielen mit der Beste auf dem Platz. Zweimal wurde er Player of the Game und zeigte hervorragende Leistungen. Leider schied er im Halbfinale bereits in der 8. Minute verletzt aus und fehlte dem Team hier ganz besonders. Stefan Markolf musste erst ein Gefühl für den Fußball der Gehörlosen bekommen. Mit einer schwachen Leistung startete er in die EM, steigerte sich dann von Spiel zu Spiel und wurde zum wichtigen Bestandteil der Mannschaft. Sein Tor brachte die Deutschen ins Halbfinale. Der erfahrene Sven Friedrich eroberte sich auch wieder einen Stammplatz mit einer gleichmäßig guten Leistung. Durch eine Gelbsperre blieb ihm das Spiel um Platz drei versagt. Benjamin Schweda, der schon im ersten Gruppenspiel bei seiner Einwechselung eine gute Leistung zeigte, spielte ein sehr gutes Turnier. Obwohl er fast immer der Kleinste auf dem Platz war, waren seine Leistungen groß, so dass er ab dem Viertelfinale seinen Stammplatz hatte. Jens Bangert konnte weder in der Abwehr noch im Mittelfeld an seine früheren guten Leistungen anknüpfen. Neuling Kevin Bayer zeigte bei seinen Einwechslungen sein Potenzial und wurde dafür mit dem Einsatz im Spiel um Platz drei belohnt. Mit dem 17-jährigen wird in Zukunft noch zu rechnen sein. Fabian Trappe enttäuschte bei der EM. Er spielte in den ersten beiden Gruppenspielen, bekam dann im Halbfinale noch einmal seine Chance, die er nicht nutzen konnte.
Im Sturm konnte auch Neuling David Plank internationale Luft schnuppern und feststellen, dass das Niveau sehr hoch ist und er noch viel trainieren und lernen muss. Tobias Berg zeigte eine solide Leistung bei seinen Einwechselungen und bekam im dritten Spiel seine Chance von Beginn an. Auch im Halbfinale kam er noch einmal durch die Verletzung von Saighani zum Einsatz konnte jedoch nicht vollkommen überzeugen. Kapitän Daniel Jagla hatte in den ersten Spielen das Pech, kaum Bälle zu bekommen. Seine früher so gefürchtete Torgefährlichkeit zeigte er im gesamten Turnier nicht. Obwohl laufstärker als in den letzten Jahren, fehlte sein Drang zum Tor. Der Joker der letzten Jahre, Benjamin Christ konnte im Sturm auch nicht überzeugen. Eine sehr gute Halbzeit im ersten Spiel gegen GBR war eigentlich bis zum letzten Spiel alles, was er vorweisen konnte. Trainer Zürn schenkte dem jungen Christ im Spiel um Platz noch einmal sein Vertrauen und Benjamin zeigte dann auch eine gute Leistung und erzielte zwei Tore. Der erst einen Tag vor Beginn der EM nachnominierte Alexander Peters nutzte diese Chance am besten. Zuerst nur eingewechselt, spielte er gegen die Niederlande von Beginn an und explodierte im Viertelfinale förmlich. Sehr laufstark brachte er die Türken zur Verzweiflung. Nur im Abschluss zeigt er noch zu viele Nerven.
Der DGS bedankt sich bei allen Spielern für ihren Einsatz. Bei Trainer Werner von der Ruhren für seine gute Nase bei der Talentfindung und bei Trainer Frank Zürn für seine gute Arbeit und konsequente Mannschaftsführung vor Ort. Ein Dank geht auch an Physiotherapeutin Susanne Malzkorn, die glücklicherweise keine großen Verletzungen zu beklagen hatte. Verbandsfachwart Guido Zimmermann sammelte bei seinem ersten internationalen Einsatz viele Erfahrungen als Betreuer und war für sein Team da.
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